Reisebericht

„Postkarte aus Banjul“
In 30 Postkarten von Lutzhorn bis Gambia

 

02.03.2017, Lutzhorn – Würselen, 511 Kilometer

Wir sind dann mal weg!

Würselen, 2. März

Liebe Freunde,

gestern um 15:17 Uhr sind wir in Lutzhorn gestartet und haben spätabends nach 511 Kilometern um 21:15 Uhr Würselen erreicht. Elbtunnel erstaunlicherweise ohne Stau, dafür bei Bremen steckengeblieben. Zwischendurch mit Bratwurst und Frikadelle gestärkt. Spät und platt ins Bett gefallen. Aber morgen geht’s nach P*A*R*I*S!

Viele Grüße von
Eurer Svea

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03.03.2017, Würselen – Paris, 423 Kilometer

Paris, mon Amour!

Paris, 3. März 2017

Liebe Freunde,

nach gutem Frühstück um 10:00 Uhr noch mal vollgetankt und dann gestartet Richtung Belgien, das wir im gefühlt im Schritttempo durchquert haben. Um 12:45 Uhr über die Grenze nach Frankreich und um 16:30 Uhr nach 423 Kilometern im Herzen von Paris angekommen.

Was für ein Abenteuer, diese Stadt, immer wieder! Der Verkehr!!! Die Menschen!!! Und schon der Frühling in der Luft! Unser Hotel genau gegenüber vom Montmartre. Durch Märkte und kleine Gässchen hoch gebummelt und Souvenirs gekauft. Und bei Anbruch der Dämmerung der Blick von Sacre Coeur über die Dächer der Stadt. Wer schon einmal hier war, weiß was ich meine. *herzchen*

Morgen geht’s früh weiter, damit wir hier auch heil mit dem Auto wieder rauskommen ;-), erstmal Richtung Südwesten, Tagesziel Bordeaux.

Bis dahin alles Liebe,
Eure Svea

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04.03.2017, Paris – Monnaie, 221 Kilometer

*Oups*

Tours, 4. März 2017

Liebe Freunde,

heute Morgen um 8:02 Uhr Paris im Nieselregen verlassen. Auf die Autobahn Richtung Bordeaux über flaches Land, wo im Sprühwasser und unter grauem Himmel alles wie bei uns Zuhause aussah.

Bis Kilometer 187 der A10 lief alles gut – und dann nix mehr! Motor aus und Temperaturanzeige im roten Bereich. Wir rüber auf den Standstreifen. Neuer Versuch nach 10 Minuten Wartezeit, der brachte uns wenigstens 100 Meter weiter in eine Nothaltebucht, bevor der Zeiger wieder ins Rote gewandert war. Also den Pannenservice gerufen. Der hat uns abgeschleppt nach Monnaie, wo unser silberner Schatz bis Montag bleiben muss, denn inzwischen war es 12:09 Uhr und damit ist auch in Frankreich leider Wochenende.

Also Zwangspause im wunderschönen Tours, Birgit wollte ja schon immer mal 😉 die Schlösser an der Loire besuchen. Wenn wir Glück haben und der Wagen Montag wieder fitgemacht werden kann, schaffen wir es noch zur Fähre nach Algeciras. Montag sind wir schlauer. Morgen also erst einmal Kulturprogramm ;-).

Drückt uns die Daumen,
Eure Svea

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05.03.2017, Tours

Sonntags in Frankreich

Tours, 5. März 2017

Liebe Freunde,

ein verregneter Sonntagmorgen, genau das Richtige um lange im Bett zu bleiben und ausgiebig zu frühstücken. Und dafür sind wir in hier Frankreich genau richtig! Lecker Café au Lait mit frischen Croissants, dazu wurde alles aufgetischt, was das Herz begehrt. Danach ein kleiner Bummel im Nieselregen durch die wunderbare mittelalterliche Altstadt von Tours, vorbei an der Kirche Saint-Julien mit den davor blühenden Kirschbäumen, und zurück entlang der Loire. Zwischendurch klarte es auf und die Sonne kam durch, die hier jetzt schon richtig Kraft hat.

Morgen sieht sich der ADAC unser Auto noch einmal an und entscheidet, ob die Sache relativ unkompliziert repariert werden kann oder ob ein neuer Kühler eingebaut werden muss (und vorher erstmal bestellt!). Die Fahrtzeit zum Fährhafen in Algeciras beträgt gut 16 Stunden, Mittwoch 13:00 Uhr müssten wir da sein, jetzt mal kurz rechnen … ;-)!

Fred hat uns übrigens jetzt (sic!) mitgeteilt, dass er bei seiner Rallyeteilnahme 2010 auch mit einem Ford Transit in Frankreich hängengeblieben ist, damals 3 Tage. Er hat den Trupp dann erst in Marrakesch wieder eingeholt. Sollte das also was mit Karma zu tun haben??? Morgen wissen wir mehr!

Á demain,
Eure Svea

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06.03.2017, Tours – Auzouer-en-Touraine – Pocé sur Sisse

Die Wasserpumpe!

Pocé sur Sisse, 6. März 2017

Liebe Freunde,

hier seht ihr, wohin unser silberner Schatz heute verschleppt wurde; und hier in der Garage Nourry in Auzouer-en-Touraine muss er leider auch vorläufig bleiben :-/. Ein Schelm wer denkt, eine derartige Tankstelle könnte sich auch irgendwo im Schleswig-Holsteinischen Nirgendwo befinden ;-)!

Wir brauchen eine neue Wasserpumpe, und die muss erst einmal den Weg hierher finden. Das wird bis Mittwoch dauern. Danach werden wir dann richtig unter Zeitdruck stehen, um den Rallyetross bis zur mauretanischen Grenze wieder einzuholen. Aber es ist machbar, und das ist das Wichtigste!

Bis dahin erholen wir uns von dem Schock. Das tun wir auf Kosten des ADAC in Pocé sur Sisse in einem kleinen B&B auf einem ehemaligen Weingut. Als wir hier heute Abend ganz entmutigt ankamen, erwartete uns schon ein flackerndes und duftendes Kaminfeuer. Da wurde uns wieder warm ums Herz :-)!

Alles Liebe bis morgen,
Eure Svea

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07.03.2017, Pocé-sur-Cisse

À la Campagne

                                                                                  Pocé-sur-Cisse, 7. März

Liebe Freunde,

still und sanft fließt die Zeit auf dem Land in Frankreich. So machten wir wenigstens schon mal den Plan fertig und die Fähre nach Marokko war gebucht, als der ADAC anrief und mitteilte, dass nun auch noch die Servolenkung defekt sei. Der Wagen wird noch einen Tag später fertig sein und die Reparatur noch einmal um 300 EUR teurer.

„Life is what happens while you’re busy making other plans“ John Lennon

Wenn (wenn!) wir Donnerstag nachmittags loskommen und es rechtzeitig zum Grenzübertritt nach Mauretanien schaffen wollen, bedeutet das für uns sechs Tage lang mehr als sieben Stunden täglich fahren. Und dazwischen kommen darf dann auch nichts mehr. Trotzdem haben wir entschieden, weiterzufahren. Man kann sich eben nicht aussuchen, wo das Abenteuer auf einen wartet. Vielleicht soll gerade das unsere größte Herausforderung sein, hier im beschaulichen Indre-et-Loire festzusitzen, während draußen die Wüste auf uns wartet und uns die Zeit davon rennt.

Wir geben also nicht auf, und Birgit wird eben morgen noch ein paar Schlösser mehr besichtigen müssen ;-)! Noch ist nicht aller Tage Abend, und wir bleiben weiter im Rennen!

Never give up,
Eure Svea

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08.03.2017, Pocé-sur-Cisse

Kleiner Exkurs in die Tiefe des Motorraumes

Pocé-sur-Cisse, 8. März 2017

Liebe Freunde,

wessen Herz beim Anblick dieses Fotos höher schlägt, ist möglicherweise männlichen Geschlechts ;-).

Für alle anderen: links seht ihr die Kühlwasserpumpe, rechts die Hydraulikpumpe der Servolenkung. Normalerweise steckt die Wasserpumpe auf der Hydraulikpumpe und wird durch die kleine, in der Mitte sichtbare Zahnwelle angetrieben, die in der Hydraulikpumpe in eine entsprechende Zahnnabe greift. Zahnwelle und -nabe sind durch den Defekt völlig abgerieben und demoliert. Eine der beiden Pumpen muss blockiert haben, die andere dadurch auch blockiert, kein Kühlwasserkreislauf mehr, dadurch Motorüberhitzung, nachfolgend selbstständiges Not-Aus des Motors um noch größeren Schaden zu verhindern. Ein Austausch beider Pumpen ist also unumgänglich.

Und jetzt kommt die gute Nachricht! Morgen spätestens um 14:00 Uhr soll der Wagen fertig sein! Hurra!!! Wir können es schaffen!!! Vielen Dank an alle, die uns Mut zugesprochen und die Daumen gedrückt haben! So Gott will, melden wir uns morgen aus dem fahrenden Auto zurück.

Inschallah!
Eure Svea

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09.03.2017, Auzouer-en-Touraine – Guéthary, 577 Kilometer

Läuft doch bei uns ;-)!

Guéthary, 9. März 2017

Liebe Freunde,

was Ihr hier im dunstigen Hintergrund gerade noch erkennen könnt, ist der Strand von Guethary! Heute um 12:30 Uhr sind wir endlich im Herzen Frankreichs losgekommen und haben 6,5 Stunden und 577 Kilometer später um 19:00 Uhr kurz vor Sonnenuntergang die französische Atlantikküste erreicht. Das Meer!!! Bis Spanien sind es nur noch wenige Kilometer und die Luft duftet schon nach Pinien, Sonne und Urlaub!

Mit jedem Kilometer, den wir heute weiter nach Süden fuhren, wurden wir glücklicher, wieder dabei zu sein, und als der Himmel nachmittags aufklarte und richtig blau wurde, konnten wir uns schon gar nicht mehr vorstellen, dass wir vorgestern noch ans Aufgeben gedacht hatten.

Er rollt also wieder, unser Silberpfeil :-). So er das auch weiter tut, werden wir morgen bis Càceres in Spanien fahren und am Samstag die Fähre nach Marokko nehmen können. Aber das mit dem Planen hatten wir ja schon *haha*, ich bin also mal lieber schön still.

Ganz im Glück,
Eure Svea

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10.03.2017, Guéthary – Cáceres, 695 Kilometer

Ein langer Tag auf spanischen Autobahnen

Cáceres, 10. März 2017

Liebe Freunde,

mit einem kleinen Abstecher an den Hafen von Guethary haben wir uns heute Morgen vom Atlantik verabschiedet und sind um 10:00 Uhr in Richtung Spanien aufgebrochen.

Auf der Europastraße E-5 ging es über San Sebastian, Zarautz und Vitoria-Gasteiz durchs Baskenland, abwechselnd durch kilometerlange Tunnel oder über schwindelerregende Talbrücken, die Täler so eng und die Berge so steil, dass Gegenfahrbahn, Eisenbahnstrecke und die ja auch noch vorhandene normale Straße sich von oben und unten und rechts und links in den verschiedensten Winkeln kreuzten und querten, ein wahres 3D-Wundeland!

Ab Burgos wurde es ruhiger, über Valladolid und Salamanca haben wir heute Abend um 18:15 Uhr und 695 gefahrenen Kilometern Cáceres erreicht. In den malerischen Gassen rund um die Innenstadt haben wir uns dann trotz Navi festgefahren und haben die letzten Meter zu Fuß zurückgelegt. Belohnt wurden wir mit der Abendsonne auf den Mauern der UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt am Plaza Mayor.

Morgen geht’s auf die Fähre nach Marokko!!!

Alles Liebe,
Eure Svea

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11.03.2017, Càceres – Larache, 577 Kilometer

Tschüss Europa!

Larache, Marokko, 11. März 2017

Liebe Freunde,

heute Start um 8:30 Uhr in Cáceres in der spanischen Extremadura. Gegen 13:00 Uhr kam der Felsen von Gibraltar in Sicht (!) und um 13:15 Uhr reihten wir uns nach 446 Kilometern in Algeciras in der Schlange am Fährterminal für Marokko ein. Das wäre dann mal geschafft ;-)!

Auf der Überfahrt über die Straße von Gibraltar frischte es bei strahlendem Sonnenschein ordentlich auf, aber kurz vor Tanger Med zog dann dichter Nebel auf, so dass die Fähre für die Hafeneinfahrt auf einen Lotsen warten musste. Statt um 16:30 Uhr waren wir um 18:00 Uhr im Hafen und um 18:50 endlich durch den Zoll.

Nach weiteren 131 Kilometern erreichten wir nach 12,5-stündiger Reise um 21:00 Uhr schließlich Larache. Dort wühlten uns durch den Samstag-Abend-Trubel marrokanischer Städte: Straßen voller Autos, Fahrradfahrer, bummelnder Menschen, Händler mit Handkarren und Essensstände an jeder Ecke. Hier verbringen wir die Nacht in einem kleinen Riad in der Medina und sind damit schon mittendrin in M*A*R*O*K*K*O!

Davon morgen mehr,
Eure Svea

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12.03.2017, Larache – Tiznit, 787 Kilometer

Durch Marokko an einem Tag

Tiznit, 12. März 2017

Liebe Freunde,

meinen Morgenkaffee habe ich heute auf der kleinen Dachterrasse unseres Riads über den Dächern von Larache mit Blick aufs Meer genossen. Dabei durfte ich unter anderem entdecken, dass das Umdekorieren von alten Autoreifen zu Pflanzgefäßen durchaus nicht das Vorrecht deutscher Vorgartengestalter ist ;-).

Um 9:15 Uhr starteten wir dann zu langen 787 Kilometern über Rabat, Casablanca, Marrakesch und Agadir bis nach Tiznit im Süden Marokkos.

Die Landschaft wandelte sich dabei langsam vom grünen und dicht besiedelten Norden über die Ausläufer des Atlasgebirges (am Horizont die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas) zum immer trockener und steiniger werdenden Süden. Auf und neben den marokkanischen Autobahnen tobte das Leben, auf dem Standstreifen wurde Gemüse angeboten, Leute überquerten die Fahrbahnen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, während auf dem Seitenstreifen Schafe und Kühe gehütet wurden. Bei einem Limit von 120 km/h konnten wir in Ruhe beobachten, wie heute am Sonntag überall auf den Bolzplätzen Fußball gespielt wurde und anscheinend jede Familie, die über ein Auto oder wenigstens einen Eselskarren verfügte, sich irgendwo unter einem Baum ein schattiges Plätzchen für ein Picknick gesucht hatte. Nachdem anscheinend ganz Marokko heute zum Sonntagsvergnügen auf den Beinen war, ließ sich auch die Polizei nicht lumpen und kontrollierte alle zwei Kilometer den regen Ausflugsverkehr.

Gegen 19:00 Uhr erreichten wir endlich Tiznit. Unser Wagen passte so gerade eben durch das Tor in der Stadtmauer, und dann ging es innerhalb der Mauern weiter zu dem kleinen Riad, wo wir die Nacht verbringen werden. Wer neugierig ist, wo und wie wir uns verdienterweise den Staub des langen Fahrtages abgespült haben, mag unter http://www.riadjanoub.com/ mal einen Blick riskieren ;-).

Ich freu mich auf morgen, ihr hoffentlich auch!
Eure Svea

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13.03.2017, Tiznit – Laâyoune, 553 Kilometer

Durchs Tor zur Wüste

Laâyoune, 13. März 2017

Liebe Freunde,

heute Morgen sind wir um 9.30 Uhr in Tiznit, Südmarokko aufgebrochen. Ab hier gibt es nur noch die eine, große Fernverkehrsstraße, die parallel zum Atlantik verläuft und von Agadir durch die Westsahara und Mauretanien über 2.500 Kilometer bis nach Dakar im Senegal führt. Was nicht heißt, dass sie über mehr als eine Fahrspur in jede Richtung verfügt, wenn überhaupt!

Von Tiznit aus kurvten wir hinter qualmenden und hoch beladenen LKWs über Serpentinen durch die Ausläufer des Antiatlas, bogen in Guelmin falsch ab und kreuzten eine Zeitlang orientierungslos durch kleine Straßen, erreichten schließlich wieder N1. Hinter Guelmin wurde das Land langsam zur Geröllwüste, unregelmäßig unterbrochen von den tief in ins Land gefrästen Oueds, den Trockenflusstälern. In Tan-Tan passierten wir das berühmte Kamel-Portal, während der Wind immer stärker wurde und die Gegend immer sandiger.  Als wir gegen Mittag nach 120 Kilometern durchs Landesinnere bei El Ouatia wieder das Meer erreichten, war der ganze Horizont vom aufgewirbelten Staub verschleiert und die Brecher, die vom Atlantik hereinkamen, fegten teils bis über die Straße.

Am Horizont sahen wir die ersten Dünen, während der Sand in Schleiern über die Straße wehte. Bei den stärksten Sandverwehungen wurden Frontlader eingesetzt, um die Straße frei zu halten. Die wurde im staubigen Gegenlicht durch die verschmierte Scheibe immer schwieriger zu erkennen. Bei starkem Seitenwind, der schmalen und oft beschädigten Fahrbahn und dem überladenen Gegenverkehr wurde das Fahren anstrengend, und so waren wir froh, als wir gegen 19:00 Uhr nach 553 Kilometern über Landstraße müde und heil Laâyoune erreichten.

Morgen gilt es ein letztes Mal aufzuholen, und abends sollten wir die Truppe in Dakhla erreicht haben. Dann kommt der gemütliche Teil *haha* ;-).

Bis dahin staubige Grüße,
Eure Svea

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14.03.2017, Marokko, Laâyoune – Dakhla, 538 Kilometer

Dakhla, here we are!

Dakhla, 14. März 2017

Liebe Freunde,

Dakhla und den Anschluss ans Team heute nach 8:45 Stunden Fahrt und 583 Kilometern glücklich geschafft und endlich unsere Rallye-Shirts überreicht bekommen. Den ganzen Tag (!) und Hunderte von Kilometern durch die gleiche, einförmige und vegetationslose Geröllebene gefahren. So bekommt man eine Vorstellung von den Ausmaßen der Sahara. Auf dem Küstenstreifen über der Steilküste standen vereinzelt aber regelmäßig zerlumpte Zelte oder winzige Baracken, hier leben Menschen und wir können uns nicht vorstellen, wovon und wie?

Der Straßenrand war immer wieder abgebrochen, und wenn LKWs entgegen kamen, wurde es oft sehr eng für beide. Zweimal sind wir mit dem Vorderrad in Schlaglöcher geknallt und einmal fix ins Schleudern geraten. Aber am Ende sind wir heil angekommen!

Morgen geht’s nach Mauretanien und damit in die Sandwüste, die wir bis jetzt nur von ferne gesehen haben. Und dann wird gecampt, zusammen mit den anderen 49 Teams. Davon kann ich euch dann erst wieder aus Nouakchott berichten, wo wir in 5 Tagen eintreffen werden, wenn alles wie geplant klappt.

Bis dahin liebe Grüße,
Eure Svea

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15.03.2017, Dakhla – Mauretanische Grenze, 383 Kilometer

Über die Grenze ins mauretanische Outback

Irgendwo in Mauretanien, 15. März 2017

Liebe Freunde,

heute früh um 8:10 Uhr starteten wir in Dakhla auf die 270-Kilometer-Etappe, die uns zum Pflichttreffpunkt vor der mauretanischen Grenze führen sollte. Ab dem letzten Rastplatz ging es dann im kilometerlangen Konvoi mit über 50 Fahrzeugen weiter. Das war der Wüsten-Idylle etwas abträglich. Getröstet wurden wir von einheimischen Kamelen (Dromedaren?), die sehr dekorativ über die Fahrbahn und durchs Bild liefen.

An der marokkanischen Grenze endete die Fahrbahn (was will uns das über die marokkanisch-mauretanische Freundschaft sagen?), über eine vier Kilometer lange Buckelpiste durchs Niemandsland erreichten wir im vorsichtigen Schritttempo um 14:00 Uhr den mauretanischen Grenzposten.

Dort verbrachten wir dann den Rest des Tages. Die Fahrer ramponierter Autos hatten so die Möglichkeit, nicht nur Ersatzteile aus der nächsten Stadt heranschaffen zu lassen, sondern sie sogar noch einzubauen, die Geselligeren unter uns hatten Gelegenheit, sich ausführlichst gegenseitig ihre Lebensgeschichten zu erzählen, und ich konnte in Ruhe das Leben in so einem Mikrokosmos wie einem Grenzposten im Outback studieren (was mir die ersten fünf Stunden auch Freude bereitete). Wir freundeten uns mit den Telefonkarten- und Devisenhändlern an, radebrechten auf Französisch mit den ebenfalls wartenden LKW-Fahrern und kamen mit den einheimischen Mauretaniern über die Hilfsprojekte ins Gespräch.

Als der Letzte von uns um 21:45 Uhr endlich sein Visum im Pass hatte, war es stockfinster und ging nur noch 10 Kilometer weiter zum Übernachten auf einen freigeschobenen Rastplatz. Eskortiert wurden wir von der mauretanischen Gendarmerie, abenteuerlich vermummten Gestalten auf Pick-Ups mit riesigen Antennen und Gewehren im Anschlag, die bei uns zuhause sofort als Terroristen klassifiziert würden, hier aber die Ordnungsmacht repräsentieren. Und die bewachten uns gut die ganze Nacht, während der heulende Wüstenwind uns in unserem Auto sanft in den Schlaf schaukelte.

Schlaft Ihr also auch schön,
Eure Svea

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16.03.2017, irgendwo in Mauretanien hinter der marokkanischen Grenze – Nouakchott, 439 Kilometer

Du stehst nicht im, du bist der Stau

Nouakchott, 16. März 2017

Liebe Freunde,

heute früh heulte uns immer noch der Wind um die Ohren in unserem Wüstencamp, und schwierig war auch, unter den wachenden Augen der Gendarmerie Nationale ein stilles Örtchen in der flachen Wüste zu finden. Die beteiligten Männer machten es sich einfacher, man sah in jeder Richtung stets irgendeinen pinkelnden Mann. Das machte das Frühstück leider nicht appetitlicher.

Nachdem sich der Letzte aus dem Übernachtungs-Sandloch freigewühlt hatte, ging es gemeinsam zunächst auf Asphalt weiter. Allerdings kamen wir bis zur nächsten Pannenpause nicht weit. Der Konvoi zog sich von Horizont zu Horizont und für die ersten 150 Kilometer brauchten wir drei Stunden.

Nach der Mittagspause sollte es „in die Wüste“ auf die Offroad-Strecke gehen. Beim morgendlichen Briefing hatte ich erfahren, dass die 3-tägige Offroad-Piste nicht zur Strecke gehört, sondern ein Extra-Trip für die Offroad-Freaks ist. Es führt eine schöne Asphaltstraße von der marokkanischen Grenze bis nach Nouakchott und die Entfernung ist bequem in einem halben Tag zu bewältigen. Zudem hatte ich herausgefunden, dass es sich bei der „Wüste“ um den UNESCO-Weltnaturerbe Nationalpark Banc d’Arguin handelte. Da meine Vorstellung vom Bereisen eines Welterbe-Naturparks irgendwie mehr mit Stille und Naturerlebnis verbunden ist als mit einem zwei Kilometer langen Auto-Konvoi, der sich mit Vollgas durch die Sandlöcher wühlt, entschied ich alte Spaßbremse mich, die Straße zu nehmen.

„Leben und leben lassen“

Da Birgit sich auf die Offroad-Strecke freute, verabredeten wir, unser Team für die kommenden drei Tage zu teilen. Wie gut, dass wir zu zweit sind! Ich fand eine nette Mitfahrgelegenheit bei anderen Teilnehmern, die auch direkt nach Nouakchott fahren wollten, und Birgit ist im Rallyetross wirklich gut aufgehoben. Sie wird alle Unterstützung haben, die sie braucht. Wenn die Karawane am 19. März wieder in der Zivilisation eintrifft, werde ich sie am Campingplatz in Nouakchott abholen. Dann wird sie uns viel zu erzählen haben!

Ich berichte in der Zwischenzeit ein wenig aus der mauretanischen Hauptstadt, was vielleicht nicht ganz so aufregend ist, aber mir Gelegenheit dazu gibt, euch auf den Stand der Dinge zu bringen, mal ein paar Shirts durchzuwaschen und mir im Pool den Wüstenstaub abzuwaschen :-). Und davon gibt es in Mauretanien mehr als genug!

Alles Liebe also bis morgen,
Eure Svea

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17.03.2017, Nouakchott

‚Dust and Diesel‘

Nouakchott, 17. März 2017

Liebe Freunde,

heute Vormittag zu Fuß vom Hotel zum Marché du Capitale, dem großen zentralen Markt in Nouakchott. Immer noch kräftiger Wind, der den Himmel über der Hauptstadt mit Staub sättigte und alles mit einem Staubschleier überzog. Die sandigen Straßen voller Müll, ob Abfälle, tote Tiere oder Bauschutt. Der Verkehr chaotisch, Autos in Zuständen, die man bei uns nur auf dem Schrottplatz sieht, ununterbrochenes Gehupe und Dieselgestank. Dazwischen bettelnde Kinder. Das Gesicht der Armut hat hier nichts Romantisches.

Über den Lebensmittel-Markt kamen wir zu den Kleidern, größtenteils Secondhand-Ware aus Europa, ausgediente Plüschtiere daneben. Ununterbrochen wurde alles mit Staubwedeln abgeklopft. Fotografieren war nicht erwünscht, wir ernteten nicht nur böse Blicke, sondern auch Drohgebärden. Allgemeine Freude kam erst auf, als ich mir eine Malhafa kaufte, das große Tuch, das die muslimischen Frauen hier um Kopf und Körper gewickelt tragen und das den Körper zwar verhüllt, sie aber nicht verschleiert. Vom Verkäufer und einer lächelnden einheimischen Frau ließ ich mir zeigen, wie frau es trägt. Das trug SEHR zur allgemeinen Erheiterung bei! Wenn es denn der Völkerverständigung dient ;-)! Das Foto dazu findet Ihr auf Instagram.

Immer noch staubige Grüße,
Eure Svea

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18.03.2017, Nouakchott

Nachmittags am Strand von Nouakchott

Nouakchott, 18. März 2017

Liebe Freunde,

heute Nachmittag ging’s am Fischereihafen durch die Fischverkaufsstände hinunter an den Strand. Die riesigen Holzboote werden dort in der starken Dünung direkt auf den Strand angelandet und entladen. Eine Kette von Männern schleppt die mehrere Hundert Meter langen Netze in scheinbar endloser Teamarbeit von Bord an den Strand, wo sie zum Trocknen ausgelegt werden. Danach werden die schwereren Boote direkt zurück ins Meer geschoben und wieder flott gemacht, um auf Reede zu ankern. Dass das überhaupt machbar ist, glaubt man nur, wenn man es gesehen hat, und selbst dann erst, wenn es wider Erwarten mit den vereinten Kräften von zwanzig Männern und dem heulenden Außenborder möglich gemacht wurde! Die kleineren Boote werden mit Hauruck-Rufen auf den oberen Teil des Strandes geschoben, wo sie in scheinbar unendlicher Zahl und endloser Reihe mit ihren bunten Farben aufgereiht liegen, sehr zur Freude der Fotografin!

Morgen treffen wir unseren Silberpfeil und Birgit wieder, die uns von der Offroad-Fahrt durch den Nationalpark Banc d’Arguin erzählen kann. Das wird spannend!

Bis dahin liebe Grüße,
Eure Svea

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19.03.2017, Camping Oceanides, Nouakchott

So glücklich sieht Birgit aus, wenn sie aus der Wüste kommt!

Nouakchott, 19. März 2017

Liebe Freunde,

heute Nachmittag trafen wir am Atlantik nördlich von Nouakchott unsere Offroadfahrer wieder. Gegen 15:00 Uhr trudelten sie am Campingplatz Oceanides ein und wurden von uns freudig begrüßt! Alle sind heil durchgekommen und waren zwar verstaubt und sonnenverbrannt, aber glücklich. Birgit hat sich mit unserem Silberpfeil wacker geschlagen und nur einmal festgefahren. Leider musste sie sich aber von unserem aus Film und Fernsehen bekannten Unterbodenschutz verabschieden, sorry Marco :-(. Die Geschichte zur Offroad-Tour und die Fotos dazu bekommt Ihr  in den nächsten Tagen von mir.

Die Hardcore-Camper blieben am Meer, während die Wellness-Bedürftigen mir in unser Hotel in Nouakchott folgten, ich kannte den Weg ja schon. Der Wasserverbrauch dürfte hier heute jedenfalls sprunghaft angestiegen sein ;-).

Alles Liebe bis morgen,
Eure Svea

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16.-19.03.2017, Nationalpark Banc D’Arguin – Nouakchott, 379 Kilometer

Birgit Reise durch den Sand!

Nouakchott, 19. März 2017

während ich am 16. März auf direktem Wege nach Nouakchott unterwegs war, ließen damals die anderen Rallyeteilnehmer Luft ab, um den Reifen-Querschnitt für das Fahren im weichen Sand zu erhöhen. Und dann ging es unter Führung der einheimischen Wüstenguides ab in die weiten Ebenen und Sanddünen des Nationalparks Banc D’Arguin.

Weite Strecken ohne Tiefsand erlaubten höhere Geschwindigkeiten, trotzdem musste Steinen und Sandbüscheln ausgewichen werden, zwischendurch ging es in den tiefen Sand, wo immer wieder Autos steckenblieben und durch gemeinsames Ziehen und Schieben wieder flott gemacht werden mussten. Birgit erwischte es gleich am ersten Tag, aber es blieb unser einziger Strich auf der Einsandeliste!

Neben dem Einsanden gab es auch immer wieder Probleme mit den Autos, bei deren Reparatur oft Improvisation gefragt war. So musste bei der vierten Autopanne dann endgültig das Nachtlager aufgeschlagen werden, um den tüchtigen Rallyeschraubern genug Zeit zum Tüfteln an einer Lösung zu geben.

Ähnlich ging es am zweiten Tag weiter, nur dass unser Silberpfeil hier auch zu den Opfern zählte. Das von Marco Drews liebevoll montierte Tankschutzblech riss mitsamt der Plastikabdeckung des Tanks ab, so dass die Reste demontiert werden mussten.

Am dritten Tag erreichten die Teilnehmer schließlich den Atlantik. Nach zwei Nächten in der Wüste hatten alle für den letzten Tag auf die sagenumwobene Strandfahrt gehofft, die aber wegen der widrigen Wetterverhältnisse (auflandiger Wind und damit verbunden zu hoher Wasserstand) ausfallen musste. Bei dem Dorf Mamghar wurde das letzte Nachtlager aufgeschlagen und die Straßenanbindung wieder hergestellt. So erreichte der Konvoi am 19. März schließlich doch über Asphalt Nouakchott, wo ich und die anderen am Camping Oceanides auf sie warteten.

Wer sich brennend für Autos interessiert und die vollständige Geschichte aller Pannen und der jeweilig dazugehörigen kreativen Reparatur-Lösungen gerne genauer nachlesen möchte, dem sei die Homepage der Rallye www.rallye-dresden-dakar-banjul.com empfohlen, unter dem Tag „News“ könnt Ihr bei den Tagen Dreizehn bis Sechszehn alle Einzelheiten dazu nachlesen ;-).

Viel Spaß dabei wünscht Euch
Eure hoffnungslose KFZ-Banausin Svea

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20.03.2017, Nouakchott

Frauenpower für den Frieden in Mali

Nouakchott, 20. März 2017

Liebe Freundinnen,

lautes Gelächter und fröhliches Klatschen und Singen dringt aus dem Konferenzsaal, durch die offene Tür sehe ich buntgekleidete Frauen im Kreis sitzen und diskutieren, überall auf den Gängen Frauen in schönen westafrikanischen Kleidern, andere in vielfarbige Malhafas gehüllt. Was ist hier los, mitten im staubigen und islamischen Mauretanien?

Ein Blick in den Raum zeigt den Anlass des Treffens, in der Ecke steht ein großer Aufsteller der WiLDAF/FeDDAF, Women in Law and Delvelopement in Africa, einem panafrikanischen Netzwerk von Frauenorganisationen, das u. a. von der EU unterstützt wird. In deutlicher Bildsprache wird dort erklärt, wofür Frauen hier immer noch kämpfen müssen: Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung, Land, Ressourcen und Entscheidungsbefugnis. Die 3-tägige Konferenz ist von WiLDAF/Mali organisiert worden und soll die vielen nach Mauretanien geflüchteten Frauen in den Friedens-prozess in Mali mit einbinden, erklärt mir Mme Bouaré Bintou Fauné Samaké, die Präsidentin. Es braucht die Frauen für dauerhaften Frieden, nicht nur in Mali, davon sind Mme Samaké und ich beide überzeugt.

Dann soll es weitergehen mit dem Programm, alle Plakate sind aufgehängt, der Raum füllt sich und ich verabschiede mich. Ich wünsche den Frauen alles, alles Gute und verspreche, Euch von ihnen zu berichten.

Voilá,
Eure Svea

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21.03.2017, Nouakchott – Saint-Louis, 389 Kilometer

Durch die Sahelzone und den Diawling-Nationalpark

Saint-Louis, 21. März 2017

Liebe Freunde,

heute Morgen um 8:00 Uhr Start in Nouakchott zum Treffpunkt am Fischereihafen. Fahrt entlang einer unendlichen wilden Müllhalde, wo das Auge der Fotografin noch einmal erfreut wurde, als eine Gruppe weißer Silber-Reiher hinter einer Anhäufung von im Wind flatterndem bunten Plastikmüll aufstieg. Nicht erfreut war allerdings die Nase, und die Seele auch nicht.

Von dort ging es zunächst über Asphalt nach Süden, mitten durch die Sahelzone, die Randzone der Sahara, geprägt von endloser Dornstrauchsavanne, unterbrochen nur von zwei Reifenpannen-Pausen.

Kurz vor dem Senegalfluß wurde es zum ersten Mal wieder grüner. Wir bogen von der Straße ab und fuhren lange Strecken über Piste durch den Diawling-Nationalpark, große Staubfahnen hinter uns herziehend. Rechts und links Rinderherden und Warzenschweine, angeblich wurden auch Krokodile gesichtet, Vögel sowieso. Die Wellblech- und Buckelpiste gab zwei unserer Autos den Rest, einmal Reifenpanne und eine Achsaufhängung (oder etwas ähnlich Gravierendes). Also Mittagspause für die Pannenfreien, schrauben für die Pechvögel. Schnell waren wir sowieso nicht vorangekommen, so wurde der Tag dann wieder lang. Und warm!

Über das Sperrwerk bei Diame kreutzten wir schließlich den Senegalfluß und verließen Mauretanien. Im Zollkonvoi ging es dann weiter bis Saint-Louis, wo wir nach 11 Stunden und 389 Kilometern in unserem Hotel auf der Halbinsel Langue de Barbarie müde eintrafen. Nun sitze ich in meinem Bungalow und höre direkt dahinter das Meer rauschen. Das ist toll! Und morgen werde ich eine kleine Stadtrundfahrt durch Saint-Louis machen und euch von der „Perle Westafrikas“ berichten. Darauf freue ich mich schon!

Bis dahin liebe Grüße,
Eure Svea

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22.03.2017, Saint-Louis

Mit der Pferdekutsche durchs Fischerviertel von Saint-Louis

Saint-Louis, 22. März 2017

Liebe Freunde,

heute mache ich nicht viele Worte und nehme euch einfach mit auf eine Kutschfahrt durch das atemberaubende Fischerviertel von Saint-Louis, dem sogenannten Venedig Westafrikas. Vom kolonialen Glanz der ehemaligen Metropole ist nicht mehr viel übrig, aber dafür vibriert das Leben in den Straßen, die hier auf den schmalen Gehsteigen auch noch zur Schafhaltung, zum Wäschetrocknen, Kochen und gemütlichen Zusammensitzen genutzt werden. Nachdem ich das Fotografieren aus dem fahrenden Auto ja schon fast zum eigenen Genre erklären wollte, habe ich das beschauliche Tempo heute sehr genossen!

Morgen früh um 6:00 Uhr geht’s auf die (für mich) vorletzte Etappe der Rallye, über die Grenze nach Farafenni in Gambia. Weit genug für alte Frauen wie mich ;-). Die anderen fahren noch bis in die Nacht hinein weiter nach Banjul. Ich besuche in Farafenni die Mitarbeiter der Stiftung Sabab Lou und nehme dann übermorgen die Fähre über den Gambia-River, um das allerletzte Stück dieser langen, langen Reise in Ruhe genießen zu können.

See you tomorrow in The Gambia,
Eure Svea

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23.03.2017, Saint-Louis – Farafenni, 372 Kilometer

The Gambia

Farafenni, 23. März 2017

Liebe Freunde,

um 6:15 Uhr startete unser Konvoi in Saint-Louis. Wo wir durch Dörfer kamen, liefen Kinder schreiend an den Fahrbahnrand, „Cadeau, Cadeau!“ (Geschenk, Geschenk!) rufend. Warum, wurde mir klar, als die vor uns Fahrenden händeweise billige Werbegeschenke aus dem Fenster unter die Kinder warfen, die uns fast vor den Kühler sprangen, um sie von der Straße aufzusammeln. Erstaunlicherweise lief trotzdem alles glatt, bis wir von der Hauptstraße abbogen und auf die Wellblechpiste fuhren. An deren Ende hatten sich wie zu erwartend einige Autos in ihre Einzelteile zerlegt.

Zwangspause bei inzwischen 35°C ohne Schatten, dafür mit einer ständig zunehmenden Traube einheimischer Kinder und Mütter, die unsere Autos belagerten und penetrant bettelten. Viele unserer Mitfahrer verteilten Geschenke, was die Sache nicht besser machte. Während einheimische Mütter sich um einen Karton mit Kugelschreibern prügelten, hielten unsere Kollegen mit der Videokamera drauf!? Andere Mütter zogen schon erfolgreich mit abgelegten Kleidungsstücken und ausgedienten Stofftieren davon. Ein seltsames Bild hier mitten in der Sahelzone: schwarze Frauen mit Babys auf dem Rücken, die Ärmsten der Armen, mit Plüschtier-Elchen und -Kaninchen in der Hand, statt mit Nahrungsmitteln oder gar Zukunftschancen ausgestattet.

Nach 10-stündiger Fahrt erreichten wir die Grenze zu Gambia. Bei inzwischen 40°C Temperatur waren wir kurz vor 17:00 Uhr an der Fähre über den Gambia-River. Dort verabschiedete ich mich vorläufig von den anderen, um die Nacht in Farafenni zu verbringen und die Mitarbeiter der Stiftung Sabab Lou kennenzulernen. Entgegen der Vereinbarung mit den Organisatoren der Rallye konnte ich in letzter Minute unser Auto doch nicht dabehalten. Wenigstens meinen Paß bekam ich (nach längerer Diskussion) wieder ausgehändigt.

Zuerst fühlte ich mich ziemlich verloren, ohne Auto und allein mitten in Afrika, die Hitze, der ganze Trubel hier in der kleinen Stadt und die Enge überall. Aber dann tauchte Momodou auf, uder Mitarbeiter der Stiftung Sabab Lou vor Ort, und gleich danach Nadine und Nathanael, die beiden studentischen Mitarbeiter, und alles wurde gut!

Später zogen wir noch einmal los, und ich erfuhr, warum zu so später Stunde die unbeleuchteten Straßen immer noch voller feiernder Menschen waren: Adama Barrow, der frisch gewählte neue Präsident von Gambia, machte an diesem Abend in Farafenni Halt! Er war auf Vorstellungstour, um sich bei den Menschen für ihr Vertrauen zu bedanken. Fast hatte ich ihn selber noch gesehen! Aber als wir im Dunkeln durch das Menschengewimmel in Richtung Versammlungsplatz gingen, kamen uns schon alle wieder entgegen, inklusive der im Finsteren immer noch aufspielenden Marschkapelle, die nicht zu sehen, sondern nur zu hören war. So habe ich Adama Barrow zwar nicht selber gesehen, habe aber doch irgendwie teilgehabt an diesem Ereignis. Und konnte verstehen, warum an diesem so besonderen Abend die Stromversorgung zusammengebrochen und das Internet komplett abgestürzt war. Und Ihr wisst jetzt, warum Ihr von mir gestern keine Post bekommen hast ;-).

Bis morgen in Banjul,
Eure Svea

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24.03.2017, Farafenni – Banjul – Brufut, 142 Kilometer

Shake your Bootie 😉

Brufut, 24. März 2017

Liebe Freunde,

morgens um sieben schläft Farafenni noch. So liefen nur ein paar Schweinchen über die staubige Straße und ein paar Schafe dösten am Fahrbahnrand, als Momodou mich in der Morgenkühle zum Taxiplatz brachte. Nach Diskussion des Fahrpreises unter Abwägung des Gewichts meiner Reisetasche stieg ich zu den anderen Fahrgästen in einen alten Peugeot 504, der uns zu siebt über die Northbank des Gambia-River nach Barra brachte.

Von dort ging’s im Gedränge auf die Fähre, gut dass hier alles auf dem Kopf und die Babys auf dem Rücken getragen werden! Schon von weitem hörte ich Klatschen und Singen und wurde darüber aufgeklärt, dass auf der Fähre insgesamt drei Hochzeiten reisten, jede Hochzeitsgesellschaft saß mit allen weiblichen Verwandten um die Braut herum, es wurde geklatscht und getanzt, und Männer mit kleinen Handtrommeln, den Tamas, zogen singend von Gruppe zu Gruppe, einen Schwarm an Frauen hinter sich herziehend. „The women go wild, if he’s really good“ wurde ich darüber aufgeklärt, worauf gambische Frauen stehen. Und dann war ich dran, die Frauen zogen mich mit in die Mitte und ich war froh, dass ich beim Salsa gelernt hatte, wie man seine weiblichen Körperteile in Schwingung bringt.

Nach einen weiteren Taxifahrt kam ich mittags glücklich im Hibiscus House an, wo ich unterm Mangobaum direkt in den Pool fiel und nach einem köstlichen Burger direkt ins Bett, um mich von der kurzen Nacht zu erholen.

Eure Svea

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25.03.2017, Bakoteh

„… and we want more balls!“

SOS-Kinderdorf Bakoteh, 25. März 2017

Liebe Freunde,

diese Jungs sind das SOS-Children’s Village Junior Football Team. Die sechzehn jungen Spieler sind zwischen elf und dreizehn Jahre alt, und heute übergab ich ihnen im SOS-Kinderdorf Bakoteh den letzten der von HSV-Stürmer Bakery Jatta gestifteten und signierten Fußbälle, der gleich in Gebrauch genommen wurde. Dazu hatte ich ihnen ein Foto des Fußballers mitgebracht, den jeder hier in Gambia kennt. Bei der Spendenaktion, die mit Hilfe der von Jatta gestifteten Bälle und des Trikots gestartet worden war, waren 1.068 EUR zugunsten der SOS-Kinderdörfer in Gambia zusammen gekommen.

Nach der herzlichen Begrüßung hatte mich SOS-Kinderdorf-Direktorin Haddy Njie Touray zum Versammlungsplatz geführt, einer offen überdachten Rundhalle, wo sich fast alle 101 zurzeit im Kinderdorf lebenden Kinder versammelt hatten und auf uns warteten. Die Fußballmannschaft war komplett in ihren Trikots aufgelaufen und nahm in der Mitte vor der Kamera Aufstellung. Anfangs noch sehr ernsthaft und gesittet, tauten die Jungs auf, als wir ihnen den Ball ein paarmal zuwarfen und sie ins Spielen kamen.

Gefragt, was wir seinem berühmten Namensvetter Bakery Jatta von ihm ausrichten sollen, sagte Mannschaftskapitän Bakery (12 J.): „We are very happy for you to bring this ball for us, and we want more balls! We appreciate it!“

Frei übersetzt: „Wir freuen uns sehr über diesen Ball. Und wir wollen mehr Bälle!“ Also, lieber Baka und liebe Fußballfreunde, in diesem Sinne … 😉

Eine gute Nacht wünscht Euch,
Eure Svea

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26.03.2017, Independence Stadium, Bakau

3.265,14 Euro!!!

Bakau, 26. März 2017

Liebe Freunde,

hier seht Ihr die stolzen neuen Besitzer unseres Silberpfeils, Familie King, ursprünglich aus Nigeria.

Im Independence Stadium von Bakau war heute der Teufel los, als die in allen Zeitungen angekündigte Versteigerung unserer Rallyefahrzeuge stattfand. Ab 9:00 Uhr standen die fünfzig ausgeräumten und gewaschenen Autos für die zahlreichen Interessenten bereit. Über aufgeklappten Motorhauben und geöffneten Türen wurde über Vorzüge und Nachteile der einzelnen Fahrzeuge diskutiert. Unser Silberpfeil brauchte die Konkurrenz nicht zu scheuen, sondern war im Vergleich jung mit seinen 15 Jahren, hatte mit inzwischen gut 156 TKM noch keine wirkliche Entfernung zurück gelegt und war vielseitig einsetzbar, von Kleinbus bis zum Transporter ist so ein Ford Transit ja für alles zu haben.

Ab 11:00 Uhr wurden die Fahrzeuge aufgerufen und vom Auktionator vor dem engagierten und fachkundigen Publikum versteigert. Für uns stieg die Spannung, als unser Wagen gegen 13:30 Uhr dran war. Schließlich erbrachte er 158.000 Dalasi = 3.265,14 EUR für die Hilfsprojekte der DBO in Gambia. Das ist ein tolles Ergebnis, und für Eure Unterstützung dabei, das möglich zu machen, bedanken wir uns ganz herzlich bei Euch! Heute Abend erfahren wir, wieviel Geld die Versteigerung insgesamt erbracht hat, und werden das Ergebnis ein bisschen feiern!

Bis morgen liebe Grüße,
Eure Svea

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.27.03.2017, Restaurant Blue Kitchen, Serekunda

Und der Durchhalte-Preis geht an … das Team „Der echte Norden“!

Serekunda, 27. März 2017

Liebe Freunde,

heute Abend bei der Abschlußparty nahm Birgit für unser Team den Durchhalte-Preis der Dresden-Dakar-Banjul-Challenge entgegen. Darauf können alle stolz sein, die zu unserem Projekt beigetragen haben und ohne deren Hilfe unser Erfolg nicht möglich gewesen wäre! Danke an Euch alle! Ich musste heute leider früh ins Bett, denn morgen soll es zu nachtschlafender Zeit losgehen ins Baddibu-Projekt der Stiftung Sabab Lou. So mussten die anderen ohne mich feiern, aber das tat der Stimmung soweit ich weiß keinen Abbruch ;-).

Liebe Grüße,
Eure Svea

 

 

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28.03.2017, Jumansar, Upper Baddibu District, Gambia

Wilde Tänze und kühles Gemüse!

Jumansar, 28. März 2017

Liebe Freunde,

unser Buschtaxi rumpelt über einen staubigen Feldweg, als auf einmal die ganze Wegesbreite von einer Menschenmenge blockiert ist. In voller Festtracht, die Frauen in ihren schönsten Kleidern und die Jungs stolz in den Trikots ihrer Fußballmannschaft, ist das ganze Dorf klatschend und singend aufmarschiert, um uns zu begrüßen. Als Friedrich Keller-Bauer, seine Mitarbeiter und ich aussteigen, werden wir in den Kreis aufgenommen, das Trommeln, Pfeifen und Singen wird lauter, und junge und alte Frauen springen abwechselnd in die Mitte, um den wilden – den wirklich wilden(!) – Barama Saindy zu tanzen, begleitet von Trillerpfeifen, dem Klatschen der Umstehenden und einem säbelrasselnd dazwischen wirbelnden Maskenmann.

So werden wir in Jumansar begrüßt, wo die Stiftung Sabab Lou ein sechs Hektar großes Gemüse-Gartenbauprojekt initiiert und eine solarbetriebene Brunnenanlage für das ganze Dorf finanziert hat. Und weil alle nun schon mal so schön dabei sind und die Stimmung toll, und es ja nicht jeden Tag so einen Anlass gibt und Musikanten im Dorf, wird weiter musiziert und getanzt, während wir die aktuellen Projekte besichtigen.

Nathanael Becker, Student der Erneuerbaren Energien und Mitarbeiter von Sabab Lou, hat einen mit Verdunstungskälte arbeitenden Kühlcontainer entwickelt und hier mit einfachsten Mitteln gebaut, und Nadine Sommer, die Agrarwissenschaften der Tropen und Subtropen studiert, betreut den Gemüseanbau im Rahmen ihrer Masterarbeit, um bei der Optimierung der Anbaumethoden und Erträge zu helfen.

Während Nadine, frisch wie der junge Morgen, mit dem anscheinend ebenfalls hitzeresistenten Friedrich Keller-Bauer in der stechenden Mittagssonne die Felder abgeht, sitze ich armes norddeutsches Würstchen neben den munter plaudernden Dorffrauen im Schatten eines riesigen Baumes und versuche einfach nur, durch Einstellen aller nicht überlebenswichtigen Aktivitäten die hier im Binnenland um Farafenni inzwischen auf über 43°C im Schatten gestiegene Temperatur zu überleben.

Ob mir das gelungen ist, kann ich Euch morgen sagen.

Bis dahin erschöpfte Grüße,
Eure Svea

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28.03.2017, Dutabullu, Upper Baddibu District, Gambia

„We hope that one day you will come and visit us, and we will sing and dance for you!“

Dutabullu, 28. März 2017

Liebe Freunde,

hier seht Ihr den stolzen Jungunternehmer Momodou Bah aus Dutabullu mit seinem Neuerwerb Jume, einer innovativen Kreuzung aus Zebu-Rind und holländischem Milchvieh. Jume zeichnet sich nicht nur durch ihre mit Klimaresistenz gekoppelte und gegenüber den einheimischen Kühen höhere Milchleistung aus, sondern ist auch durch die Fähigkeit, mit ihrer Zunge ihre eigene Nase reinigen zu können, bestens angepasst an das staubige Klima hier, wie Ihr auf meinem Instagram-Account bewundern könnt ;-).

Unsere Ankunft in Dutabullu wurde übrigens nicht weniger gefeiert als in Jumansar. Auch hier wartete am Dorfeingang die Hälfte der Einwohner mitsamt einer eigens engagierten Kapelle auf uns! Während des Festakts zur Übergabe der Kühe an ihre neuen Besitzer wurden also nicht nur Reden gehalten, sondern immer wieder elektrisierende Niruri-Musik gemacht, wer wissen will, wie’s sich anhört, schaut mal bei Youtube rein.

Wir hatten im Vorfeld unserer Rallyeteilnahme mit Hilfe der Meierei Horst eG, den Ökomelkburen, dem W:O:A Festival-Service und vieler Kleinspender in Schleswig-Holstein insgesamt 4.000 Euro für das Milchkuh-Projekt gesammelt, und so konnten insgesamt drei Kühe, eine davon mit Kalb bei Fuß, erworben werden. In einer Rede sprach der District Ward Councelor seinen Dank für die Unterstützung aus, und Friedrich Keller-Bauer, Vorsitzender der Stiftung Sabab Lou, sagte, wie bewegend dieser Moment für ihn sei, da hier eine Verbindung zwischen Menschen in Schleswig-Holstein und den Menschen hier in der Mitte von Afrika entstanden sei, über eine Entfernung von mehr als 7.000 Kilometern.

Dann schritten wir zur Vorstellung der Kühe und ihrer neuen Besitzer Abdou Bah, Momodou Bah und Ibrahim Bah. Alle drei haben diese Kühe mit einem Mikrokredit erworben. Momodou Lamin Bah, der Mitarbeiter der Stiftung vor Ort, hatte sie in tagelanger Suche mit dem Motorrad in den Dörfern entlang der senegalesischen Grenze aufgetrieben. Danach mussten die armen Tiere 82 Kilometer zu Fuß bis nach Dutabullu laufen, so dass sie bei ihrer Ankunft recht abgemagert waren.

Danach gab es ein Festessen, während unter dem Dorfbaum riesige Boxen aufgebaut und der Generator angeworfen wurde. Und dann gab’s Dorfdisco, dass der Bär steppte, mitten im afrikanischen Nirgendwo, unterm großen Sternenzelt. Und von den zukünftigen Milchbauern soll ich Euch ausrichten: „We really appreciate your gift, and when you come here, you will see it by yourself. We hope, that one day you will come and visit us, and we will sing and dance for you!“

Bis morgen auf ein letztes Mal vor der Heimkehr,
Eure Svea

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31.03.2017, Brufut, Gambia

Auf Wiedersehen im Echten Norden!

Brufut, 31. März 2017

Liebe Freundinnen und Freunde,

mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiede ich mich heute von Gambia und den täglichen Postkarten an Euch. Es hat mir großen Spaß gemacht, Euch auf diese Weise mit auf die Reise zu nehmen, und wie ich aus Euren zahlreichen Mails weiß, habt Ihr auch Freude daran gehabt :-)!

Ich habe mein Bestes getan, um Eure Spenden dahin zu bringen, wo sie gebraucht werden, und hoffe, alles war in Eurem Sinne. Ich bin überall auf große Dankbarkeit gestoßen und soll Euch von Allen grüßen! Vielen Dank, dass Ihr Euch habt begeistern lassen und mitgemacht habt!

Als letzten Gruß von der „Lächelnden Küste“ und ihren liebenswerten Menschen schicke ich Euch heute Bilder von der Dorfstraße in Brufut, wo es in zahlreichen kleinen und kleinsten Geschäften von Telefonguthaben bis Zement alles zu kaufen gibt und winzige Handwerksbetriebe vom Schweißer bis zur Friseurin ihre Dienste mit liebevoll handgemalten Bildern anbieten. Nach so etwas werde ich wohl in Barmstedt nächste Woche umsonst Ausschau halten ;-).

Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!
Eure Svea